Am 15. Juli wurde im YARAT Contemporary Art Space in Baku die Performance-Woche „Caspian Corporealities 2025“ feierlich eröffnet.
Wie AZERTAC berichtet, erforscht das Projekt das physische und symbolische Zusammenspiel des menschlichen Körpers mit der kaspischen Region – vor dem Hintergrund des dramatisch sinkenden Wasserspiegels im Kaspischen Meer.
Am ersten Tag der Veranstaltungswoche wurden im Rahmen des kuratorischen Programms von Mansura Mammadaliyeva folgende Werke präsentiert:
der Live-Performance „Dem Wasser gesagt über das Wasser“ von Ramil Aliyev,
die Videodokumentation „Salzwasser“ von Darya Safarova,
interaktive Installationen „Was die zurückweichende Welle mitnimmt“ von Lena Posdnjakova und Eldar Taghiyev,
„Horizonte ohne Eis“ von Gaini Sagidullayeva-Abai,
„Die Empfindungen des Kaspischen Meeres“ von Jeyran Musayeva,
sowie der Workshop „Zeichnen mit Worten“ von Said Rzayev.
Farah Alekperli, Direktorin des YARAT Contemporary Art Space, betonte in einem Interview mit AZERTAC, dass Performancekunst ein bedeutender Bestandteil des zeitgenössischen Kunstdiskurses sei. „Diesmal wollten wir diesem Bereich mehr Raum geben und haben uns entschieden, eine Festivalstruktur zu schaffen. Unser Ziel ist es, junge Talente zu entdecken, zu fördern und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten – sowohl lokalen als auch internationalen Künstlern. Sie werden durch Workshops, Vorträge und Diskussionen ihre Erfahrungen weitergeben. Die Performance-Woche dauert bis zum 19. Juli“, so Alekberli.
Die Kuratorin der Woche, Anna Fech, wies darauf hin, dass insgesamt 11 Performances geplant seien. Im Fokus stehe die Beziehung zwischen dem Kaspischen Meer und dem menschlichen Körper, wobei das Konzept auf der Theorie der amerikanischen Wissenschaftlerin Stacy Alaimo basiert – der sogenannten „Transkorporalität“.
Alaimo geht davon aus, dass der menschliche Körper untrennbar mit der Umwelt verbunden ist: Substanzen aus Luft und Wasser – insbesondere Gifte – dringen in den Körper ein und werden Teil von ihm. In ihrer Theorie betrachtet sie Naturelemente wie Wasser als lebendige Wesen mit unmittelbarem Einfluss auf unser tägliches Leben. Dieser Gedanke sei auch in der Lyrik von Rasul Rza, dem Nationaldichter Aserbaidschans, wiederzufinden, in der das Kaspische Meer als empfindendes und sprechendes Wesen dargestellt wird.
Einige Performances greifen auch auf mythologische oder märchenhafte Elemente zurück, andere setzen sich mit den Auswirkungen der Industrieumgebung auf Natur und Mensch auseinander.
Ein besonderes Highlight ist die Auseinandersetzung mit neuen Technologien – darunter ein Performance-Projekt, bei dem künstliche Intelligenz in Gestalt von ChatGPT eingesetzt wird:
In dieser Inszenierung leiht ChatGPT dem Kaspischen Meer seine Stimme und spricht über Umweltprobleme und deren Auswirkungen auf das menschliche Leben. Die KI wird somit zu einer symbolischen Verkörperung des Meeres. Der Ausgang solcher Performances bleibt offen – alles entsteht live und spontan, was den Veranstaltungen Spannung und Innovationskraft verleiht.
Zum Abschluss der Woche werden alle Performances als Video auf einem Grossbildschirm gezeigt, damit auch jene Besucher, die nicht persönlich anwesend sein konnten, die Werke in kompakter Form erleben können. Abschliessend finden Artist Talks statt – offene Diskussionen mit den beteiligten Künstlern. Ein ausdrucksstarker, interaktiver und erinnerungswürdiger Abschluss für das Festival.






