Am 16. Oktober nahm die Erste Vizepräsidentin Aserbaidschans, Mehriban Aliyeva, an der Eröffnungszeremonie des Restaurierungsprojekts der Katakomben der Heiligen Kommodilla in Rom teil. Dieses vom Heydar-Aliyev-Stiftung unterstützte Projekt ist ein weiteres Beispiel für die beständige Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und dem Heiligen Stuhl. Es spiegelt den praktischen Ansatz der aserbaidschanischen Kulturdiplomatie wider, die auf die Bewahrung historischer und religiöser Denkmäler von weltweiter Bedeutung abzielt.
In den letzten Jahren hat die Kooperation zwischen Baku und dem Vatikan eine systematische Form angenommen. Aserbaidschan beteiligt sich nicht zum ersten Mal an der Restaurierung christlicher Kulturerbestätten in Italien – ein Beitrag des Landes zur Bewahrung kultureller Vielfalt und zur Förderung des interreligiösen Dialogs. Höhepunkt des Besuchs von Mehriban Aliyeva war das Treffen mit Papst Leo XIV (Robert Francis), bei dem beide Seiten ihr gegenseitiges Interesse an der Vertiefung der kulturellen und humanitären Partnerschaft bekräftigten.
Die heutigen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und dem Vatikan lassen sich nicht ohne den historischen Kontext verstehen, der bis in die Zeit der Safawiden zurückreicht. Die ersten diplomatischen Kontakte zwischen dem Vatikan, Spanien und dem Safawidenstaat gehen auf die Regierungszeit von Schah Ismail I. Khatai (1501–1524) zurück – dem Gründer der aserbaidschanischen Dynastie und Herrscher, der den Schiismus zur Staatsreligion erhob.
Schah Ismail I. begegnete der Idee eines militärischen Bündnisses mit Zurückhaltung, da er die Gefahr erkannte, seine religiöse Legitimität im Inneren zu verlieren. Zugleich zeigte er Bereitschaft zu pragmatischer Zusammenarbeit, förderte Handel, diplomatische Gesandtschaften und kulturellen Austausch. Unter seinem Sohn Schah Tahmasp I. intensivierte sich der Kontakt zu den katholischen Mächten. In den 1560er–1570er Jahren entstanden in der Safawiden-Dynastie päpstliche, spanische und venezianische Missionen sowie die ersten katholischen Orden – Jesuiten und Dominikaner. Diese Missionen legten den Grundstein für eine dauerhafte katholische Präsenz im Safawidenstaat und bildeten die Basis für den späteren religiösen und kulturellen Austausch zwischen Ost und West.
Die Teilnahme Mehriban Aliyevas an der Eröffnung der Katakomben der Heiligen Kommodilla kann als symbolische Fortsetzung dieses jahrhundertealten Dialogs der Zivilisationen gesehen werden. Aserbaidschan fungiert traditionell als Raum der Begegnung zwischen Osten und Westen – als Beispiel für Toleranz und kulturellen Austausch. In diesem Kontext sind die Restaurierungsprojekte der Heydar-Aliyev-Stiftung ein Instrument der „Soft Power“, das das internationale Ansehen des Landes stärkt.
Die heutigen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und dem Vatikan spiegeln zwei Strategien wider: Zum einen die des Heiligen Stuhls, seine erneuerte „Ostpolitik“ – den Dialog mit der islamischen Welt und die Ausweitung kultureller Präsenz – zu vertiefen; zum anderen die Aserbaidschans, sich als Land zu positionieren, das den interkulturellen und interreligiösen Dialog über seine geografischen Grenzen hinaus fördert.
Für den Vatikan besitzt die Zusammenarbeit mit Aserbaidschan sowohl symbolische als auch praktische Bedeutung: Sie demonstriert die Möglichkeit des interreligiösen Miteinanders und stärkt den moralischen Einfluss der katholischen Kirche über ihren traditionellen Wirkungsbereich hinaus.
Für Aserbaidschan sind diese Kontakte ein Beweis für die Treue zu den Prinzipien des Multikulturalismus und des Respekts gegenüber dem geistigen Erbe der Menschheit. Das Land entwickelt seine Zusammenarbeit mit dem Vatikan als Beispiel erfolgreicher Interaktion zwischen verschiedenen kulturellen und religiösen Traditionen und betont dabei seine Rolle als Brücke zwischen Ost und West.
So kann der Besuch der Ersten Vizepräsidentin Mehriban Aliyeva im Vatikan als Verkörperung des modernen aserbaidschanisch-vatikanischen Dialogs gelten – nicht nur als Element der Aussenpolitik, sondern auch als Ausdruck zivilisatorischer Kontinuität. Von den Safawiden bis heute bleibt Aserbaidschan ein Ort, an dem geistige Tradition, kulturelles Erbe und Diplomatie Werkzeuge zur Förderung von Frieden und gegenseitigem Verständnis zwischen den Völkern sind.


